Konzerte der ChristuskantoreiMusik in den Gottesdiensten der ChristuskircheArchiv der ChristuskantoreiOrgelbauverein der ChristuskircheKontakt zur Christuskantorei











Archiv 2009

"Zeit für die Idylle"

Hae-Kyung Jungs Einstand bei der Christuskantorei

Das Original, der Salzburger Megastar, und Mendelssohn, eben der Mozart des 19. Jahrhunderts – hier standen sie treulich nebeneinander: jetzt, als Hae-Kyung Jung, die neue Kantorin, konzertant ihren chorischen Einstand an der Freiburger Christuskirche gab. Ob bei Mendelssohns „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“, jener teils auf der Hochzeitsreise in Freiburg komponierten Adaption von Psalm42, oder Mozarts gewichtigem Fragment der c-Moll-Messe KV 427: Bei der orchestralen Introduktion zur romantischen Versinnlichung des Psalms ließ sich vor dieser ruhigen Kulisse ein schönes musikalisches Stimmungsbild zeichnen, eine pastorale Idylle, in die hinein das Bild vom dürstenden Hirschen platziert wurde. Da wucherte die neue Chefin der evangelischen Kirchenmusik von Wiehre und Stadt mit dem Pfund des schieren Wohlklangs. Es verfestigte sich obendrein die Erkenntnis, dass von dieser feinsinnigen, sorgsamen Interpretin Extreme in Richtung Raserei kaum zu befürchten sind.  Auch die Auslegung von Mozarts Messe setzte nicht auf Tempo. Genauer: zunächst nicht. Fast überraschend der „Gloria“-Start: wie vorgeschrieben lebhaft, dazu beinahe appellativ – doch weniger forsch und zackig als etwa bei Gardiner. Ähnliches wiederholte sich beim „Credo“- Entree: Hier klang es wie eine Aufforderung zum Glauben, zum Bekenntniskampf wider alle Anfechtung. Wie die Dirigentin dies strukturierte, war es bündig und schlüssig: mit der so leistungsfähigen wie motivierten, auch Polyphonie und Doppelchörigkeit schulternden Christuskantorei, mit den fitten, historisch informierten, auch bei Holz und Blech starken Instrumentalisten. Und dann noch diese kleinen, feinen Details: wenn dem wissenden Hörer gezeigt wird, dass Mozart seine Händel’sche „Halleluja“-Lektion („excelsis“) gelernt hat; oder durchs subtile Decrescendo auf dem Wort „mundi“ der diskrete Verweis darauf, dass es ja die Missetaten der Welt sind, die der gemarterte Gottessohn zu tragen hat. Bei einer anberaumten Aufführung der c-Moll-Messe kurzfristige krankheitsbedingte Absagen just von Seiten der hier eminent eingespannten solistischen Frauenfraktion zu kassieren, ähnelt einem Großalarm bei der Feuerwehr. Und gerade mal wenige Stunden vorm Konzert zu erfahren, dass eine dieser Partien coram publico zu absolvieren sei, kommt aus Sängerinnenperspektive einem Himmelfahrtskommando gleich. Die Freiburger Sopranistin Dorothea Rieger stellte sich der Aufgabe bei der hier besprochenen sonntäglichen Wiedergabe mutig und löste sie achtbar. Tags zuvor war bereits Siri Karoline Thornhill eingesprungen. Warm und innig ihr von den Holzbläsern weich umhülltes „Et incarnatus est“. Das Attribut zuverlässig gebührt dem Tenor Min-Woo Lim und dem Bassisten Clemens Morgenthaler. (gekürzte Fassung)

Johannes Adam, Badische Zeitung 24.´3.09


Impressum von christuskantorei.de